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Fachmodelle sinnvoll strukturieren

Erfahren Sie, wie Fachmodelle sinnvoll gegliedert, Bauteile korrekt klassifiziert und Geschosse, Attribute sowie Mengen konsistent gepflegt werden.

Empfehlungen für Klassifizierung, Geschosse, Attribute und Mengen

Eine klare und konsistente Modellstruktur erleichtert das Zusammenführen, Prüfen und Auswerten mehrerer Fachmodelle in big®. Dieser Artikel zeigt, wie Sie Fachmodelle sinnvoll gliedern, Bauteile korrekt klassifizieren und wichtige Informationen einheitlich bereitstellen.

Warum ist eine klare Modellstruktur wichtig?

In einem BIM-Projekt werden üblicherweise Modelle aus unterschiedlichen Fachdisziplinen zu einem Gesamtmodell zusammengeführt. Je nachvollziehbarer diese Modelle aufgebaut sind, desto einfacher lassen sie sich:

  • gemeinsam betrachten und koordinieren
  • nach Fachdisziplin, Geschoss oder Bauteilart filtern
  • auf Kollisionen und Unstimmigkeiten prüfen
  • in Auswertungen und Berichten verwenden
  • über den gesamten Projektverlauf aktualisieren

Es gibt dabei nicht die eine richtige Modellstruktur. Der passende Aufbau hängt unter anderem von der Projektgröße, der eingesetzten Autorensoftware und den Konventionen der beteiligten Unternehmen ab.

Die folgenden Punkte sind deshalb als bewährte Empfehlungen und nicht als starre Vorgaben zu verstehen.

Fachmodelle nach Disziplin trennen

Grundsätzlich sollte jede Fachdisziplin ein eigenes, in sich geschlossenes Modell bereitstellen. Typische Fachmodelle sind beispielsweise:

  • Architektur
  • Tragwerksplanung
  • Heizung
  • Lüftung
  • Sanitär
  • Elektro
  • Gebäudeautomation
  • Außenanlagen

Diese Trennung erleichtert es, einzelne Gewerke in der Gesamtansicht gezielt ein- oder auszublenden, separat zu prüfen und bei Bedarf unabhängig zu aktualisieren.

Disziplin im Elementnamen kenntlich machen

Ergänzend kann es sinnvoll sein, Elemente über ein einheitliches Disziplinkürzel im Namen kenntlich zu machen, beispielsweise:

  • ARC Wand
  • TWP Stütze
  • HZG Rohrleitung
  • ELT Leuchte

Ein solches Präfix ist besonders hilfreich, wenn mehrere Disziplinen innerhalb eines Modells vorkommen oder wenn die Fachzugehörigkeit in der eingesetzten Software nicht anderweitig zuverlässig ausgewertet werden kann.

Verwenden Sie Kürzel nur dann, wenn diese projektweit definiert und konsequent eingesetzt werden. Bei sauber getrennten Fachmodellen und eindeutig gepflegten Attributen ist ein zusätzliches Kürzel nicht in jedem Projekt erforderlich.

Große Fachmodelle sinnvoll unterteilen

Bei großen oder komplexen Projekten kann ein Fachmodell zusätzlich gegliedert werden, beispielsweise nach:

  • Gebäude oder Gebäudeteil
  • Bauabschnitt
  • Teilprojekt
  • Zone
  • Geschossgruppe

Die Aufteilung sollte einen konkreten Nutzen für Bearbeitung, Koordination oder Dateigröße haben. Zu viele kleine Teilmodelle erhöhen dagegen den Verwaltungsaufwand und erschweren den Überblick.

Bauteile korrekt klassifizieren

Bauteile sollten möglichst mit der zu ihrer Funktion passenden IFC-Klasse exportiert werden. Beispiele:

Bauteil Empfohlene IFC-Klasse
Wand IfcWall
Tür IfcDoor
Fenster IfcWindow
Stütze IfcColumn
Decke beziehungsweise Bodenplatte IfcSlab
Rohrsegment IfcPipeSegment

Vermeiden Sie nach Möglichkeit unspezifische Platzhalter wie IfcBuildingElementProxy, wenn für das Bauteil eine geeignete IFC-Klasse vorhanden ist.

Eine korrekte Klassifizierung erleichtert die Filterung, Modellprüfung und spätere Auswertung erheblich. Ein als Proxy exportiertes Objekt kann zwar geometrisch richtig dargestellt werden, lässt sich jedoch nicht zuverlässig als Wand, Tür oder anderes konkretes Bauteil erkennen.

Bauteiltypen einheitlich benennen

Gleichartige Bauteile sollten konsistente und nachvollziehbare Typbezeichnungen erhalten. Ein Bauteiltyp kann beispielsweise gemeinsame Eigenschaften wie Aufbau, Material, Abmessungen oder Feuerwiderstand beschreiben.

Empfehlungen für die Typisierung:

  • Verwenden Sie für gleichartige Bauteile denselben Typnamen.
  • Vermeiden Sie unterschiedliche Schreibweisen und unnötige Sonderzeichen.
  • Vergeben Sie keine rein temporären Bezeichnungen wie Typ 1, wenn daraus die Bedeutung nicht hervorgeht.
  • Ändern Sie etablierte Typnamen nicht ohne Abstimmung während des laufenden Projekts.

Falls die Autorensoftware keine geeignete Typverwaltung bietet, kann alternativ ein projektspezifisches Attribut vereinbart werden. Entscheidend ist, dass der gewählte Weg eindeutig beschrieben und von allen Beteiligten gleich angewendet wird.

Geschosszuordnung konsistent halten

Alle Fachmodelle sollten dieselben Geschossbezeichnungen verwenden. Unterschiedliche Benennungen wie EG, Erdgeschoss und 00 für dasselbe Geschoss erschweren Filterung und Auswertung.

Legen Sie daher projektweit fest:

  • Bezeichnung und Schreibweise jedes Geschosses
  • Reihenfolge der Geschosse
  • Höhenlage der Geschosse
  • Umgang mit Zwischengeschossen und Split-Level-Bereichen
  • Zuordnung geschossübergreifender Bauteile

Bauteile sollten dem fachlich passenden Geschoss beziehungsweise in IFC dem richtigen IfcBuildingStorey zugeordnet werden. Die Zuordnung allein anhand der geometrischen Lage ist nicht immer ausreichend.

Bei Umbauprojekten kann es zusätzlich sinnvoll sein, die Umbau- oder Projektphase als separates Attribut mitzuführen, beispielsweise:

  • Bestand
  • Rückbau
  • Neubau
  • temporär
Benötigte Informationen gezielt mitgeben

Neben der Geometrie benötigen Bauteile grundlegende Informationen, damit sie eindeutig identifiziert, gefiltert und ausgewertet werden können.

Je nach Anwendungsfall können dazu gehören:

  • eindeutige Bauteilkennung
  • Bauteiltyp
  • Material oder Aufbau
  • Geschoss und Raumbezug
  • Brandschutz- oder Feuerwiderstandsklasse
  • Status oder Projektphase
  • Hersteller- und Produktinformationen
  • betriebsrelevante Angaben

Mehr Attribute bedeuten nicht automatisch eine höhere Modellqualität. Entscheidend ist, dass die benötigten Informationen:

  • projektspezifisch festgelegt sind
  • konsistent bezeichnet werden
  • im vereinbarten Format vorliegen
  • durchgängig und vollständig gepflegt sind
  • zum vereinbarten Zeitpunkt verfügbar sind

Die Anforderungen sollten möglichst früh in den Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) definiert und ihre Umsetzung im BIM-Abwicklungsplan konkretisiert werden.

Übliche Basismengen mitliefern

Bauteile sollten die für ihre Art relevanten Mengen enthalten. Dazu gehören beispielsweise:

  • Länge bei Rohren oder Trägern
  • Fläche bei Wänden, Decken oder Fassadenelementen
  • Volumen bei Betonbauteilen
  • Anzahl bei Türen, Fenstern oder Einbauteilen

Viele Autorensysteme können diese IFC-Basismengen beim Export automatisch erzeugen. Abhängig von der eingesetzten Software muss diese Option jedoch zuerst aktiviert oder konfiguriert werden.

Prüfen Sie deshalb vor der Modellübergabe stichprobenartig:

  • Sind die erwarteten Mengen vorhanden?
  • Sind die verwendeten Einheiten korrekt?
  • Sind die Werte plausibel?
  • Werden gleiche Bauteilarten einheitlich ausgewertet?
Empfohlene Prüfung vor der Modellübergabe

Kontrollieren Sie vor jedem vereinbarten Datenaustausch mindestens folgende Punkte:

  1. Fachmodell und Dateiname
    Sind Disziplin, Gebäude beziehungsweise Teilbereich und Revisionsstand eindeutig erkennbar?
  2. IFC-Klassifizierung
    Werden die Bauteile mit den passenden IFC-Klassen exportiert?
  3. Bauteiltypen
    Sind Typnamen konsistent und nachvollziehbar?
  4. Geschosszuordnung
    Stimmen Bezeichnungen und Zuordnungen mit den Projektvorgaben überein?
  5. Attribute
    Sind die für den jeweiligen Datenaustausch geforderten Eigenschaften vorhanden und korrekt befüllt?
  6. Mengen
    Sind die erforderlichen Basismengen enthalten und plausibel?
  7. Test in einem unabhängigen Viewer
    Lässt sich die IFC-Datei öffnen und werden Struktur und Eigenschaften wie erwartet dargestellt?
IFC-Datei mit dem buildingSMART Validation Service prüfen

Der kostenlose buildingSMART IFC Validation Service prüft IFC-Dateien auf Konformität mit dem IFC-Standard. Dazu gehören insbesondere:

  • STEP-Syntax
  • referenziertes IFC-Schema
  • normative Regeln der IFC-Spezifikation
  • zusätzliche Hinweise zu üblichen Branchenpraktiken

Der Dienst eignet sich als technische Vorprüfung, bevor weitere projektspezifische Qualitätskontrollen durchgeführt werden.

Wichtig: Der Validation Service prüft keine projektspezifischen AIA-Vorgaben, Namenskonventionen oder individuellen Anforderungen an Attribute und Modellstruktur. Solche Anforderungen müssen separat geprüft werden, beispielsweise mithilfe festgelegter Prüfregeln oder einer IDS-Datei.

Die IFC-Datei wird zur Prüfung an die buildingSMART-Plattform übertragen. Klären Sie deshalb vorab, ob die Datei gemäß den Datenschutz- und Vertraulichkeitsvorgaben Ihres Projekts in einen externen Onlinedienst hochgeladen werden darf.

Informationen zum buildingSMART IFC Validation Service

Kurz zusammengefasst
  • Trennen Sie Modelle nachvollziehbar nach Fachdisziplin.
  • Unterteilen Sie große Modelle nur, wenn dies einen konkreten Nutzen bietet.
  • Verwenden Sie möglichst passende IFC-Klassen statt unspezifischer Proxy-Objekte.
  • Benennen und typisieren Sie gleichartige Bauteile einheitlich.
  • Halten Sie Geschossbezeichnungen und Geschosszuordnungen projektweit konsistent.
  • Definieren Sie benötigte Attribute frühzeitig und vermeiden Sie unnötige Informationsmengen.
  • Exportieren und prüfen Sie die für den Anwendungsfall benötigten Basismengen.
  • Nutzen Sie den buildingSMART Validation Service als technische Vorprüfung, nicht als Ersatz für eine projektspezifische Modellkontrolle.

Eine klare Modellstruktur ist kein Selbstzweck. Sie sorgt dafür, dass sich Fachmodelle zuverlässig zusammenführen, koordinieren und auswerten lassen.

Sie sind unsicher, welche Modellstruktur für Ihr Projekt geeignet ist? Ihr Kaulquappe-Projektteam unterstützt Sie gerne bei der Festlegung und Prüfung der passenden Vorgaben.